8 Technische und Organisatorische Schutzmaßnahmen
8.1 Dosieren und Mischen der Komponenten
Die Hinweise zum Mischungsverhältnis der Komponenten sind unbedingt zu beachten. Fehlmischungen können zu mangelhaften Arbeitsergebnissen führen. Wann immer möglich, sollten Epoxidharz-Arbeitspackungen, bei denen sich die Komponenten bereits im richtigen Verhältnis zueinander befinden, verwendet werden. So entfällt die Gefahr einer falschen Dosierung3.
Können keine Arbeitspackungen verwendet werden, ist eine Waage zur Abmessung der Komponenten zu verwenden. Bei Großgebinden oder Fässern können technische Dosiersysteme verwendet werden. Dazu zählen z. B. Pumpen mit Durchflussmessern.
Abb. 3 Arbeitspackung mit getrennten Gebinden für Harz und Härter
8.1.1 Der Mischplatz
Bei der Mischung der Komponenten besteht ein beträchtliches Gefährdungspotenzial durch Hautkontakt und Einatmen. Der Mischbehälter sollte auf eine ebene Fläche gestellt werden, denn durch kippende Behälter kann es zu Spritzern oder zum Verschütten kommen.
Zusätzlich ist darauf zu achten, dass die umgebende Oberfläche nicht durch Epoxidharz-Produkte verunreinigt wird. Dies kann vermieden werden, indem Eimer oder Behälter z. B. auf eine Folie gestellt werden.
Der Bereich, in dem das Mischen stattfindet, sollte deutlich gekennzeichnet sein, damit andere Personen nicht mit den Produkten in Kontakt kommen. Zu diesem Zweck können Absperrbänder oder Warnschilder (z. B. W001, Warnung vor Gefahrenstelle) eingesetzt werden.
8.1.2 Anmischen des Produktes
Abb. 4 Anmischen von Epoxidharz
a) Mischen per Hand
Das Mischen der beiden Komponenten von Epoxidharz-Produkten wird häufig in dem Originalgebinde durchgeführt, in dem sich das Harz befindet. Tipps für das sichere Vorgehen beim Anmischen:
- Verwendung eines Handrührwerkes mit stufenlos verstellbarer Rührgeschwindigkeit.
- Bei Bohrmaschinen oder Rührwerken mit konstanter Drehzahl ist in der Anlaufphase ein Verspritzen und Überschwappen des Materials kaum zu vermeiden.
- Der optimale Durchmesser des Rührers beträgt ein Drittel des Durchmessers des Mischgefäßes. Hinweise zur Geometrie der Rührwerkzeuge beachten.
- Mit niedriger Rührgeschwindigkeit mischen, um Spritzer zu vermeiden.
- Den Behälter oder Eimer nur bis ca. 10 cm unterhalb der Kante auffüllen, um ein Überschwappen des Materials zu verhindern.
- Falls möglich, den Behälter beim Mischvorgang abdecken (z. B. durch einen durchsichtigen Auflegedeckel mit Schlitz).
- Beim Umtopfen sorgfältig und langsam umgießen. Bei schweren Gebinden zu zweit arbeiten.
b) Mischen im Zwangsmischer
- Zur Mischung größerer Mengen oder zur Herstellung gefüllter Materialien sollte ein Zwangsmischer verwendet werden. Bei der Herstellung gefüllter Materialien führt die Verwendung von Handrührwerken zu einer Mitbewegung des Mischgefäßes und der Gefahr eines unkontrollierten Überschwappens der Produkte.
- Rührbottich des Zwangsmischers nur bis ca. 10 cm unterhalb der Kante auffüllen.
- Komponenten langsam hinzufügen.
c) Mischen von Injektionsharzen
Injektionsharze, die für Betonsanierungen eingesetzt werden, können in automatischen Misch- und Dosiersystemen verwendet werden. Diese tragen dazu bei, einen möglichen Hautkontakt zu reduzieren.
8.2 Verarbeitung /Applikation von Epoxidharz-Produkten
Ein richtig gewähltes Arbeitsverfahren trägt dazu bei, den Kontakt mit Epoxidharz-Produkten einzuschränken. Oberstes Ziel sollte sein, die Arbeitsverfahren so zu gestalten, dass ein Hautkontakt zu Harz, Härter oder nicht vollständig ausgehärteter Mischung vermieden wird.
In vielen Fällen finden in der Nähe des Arbeitsplatzes, an dem mit Epoxidharz gearbeitet wird, auch andere Arbeiten statt. Die Beschäftigten, die an den Arbeiten mit Epoxidharz nicht beteiligt sind, müssen gegen einen möglichen Kontakt mit diesen Produkten geschützt werden. Wenn notwendig, ist der Arbeitsbereich zu kennzeichnen oder abzugrenzen.
Relativ einfache Maßnahmen können dazu beitragen, die Risiken eines Hautkontaktes zu vermeiden:
- Geschlossene Abfallbehälter für leere Gebinde, benutzte bzw. kontaminierte Lappen, Geräte etc. verwenden.
- Nicht mehr Material als unbedingt nötig anmischen.
- Hinweise der herstellenden Firma bezüglich der Verarbeitungszeiten beachten.
- Griffe und Stiele von Werkzeugen sauber halten.
- Gebrauchte Werkzeuge umgehend reinigen oder entsorgen.
- Gebrauchte Einwegschutzkleidung entsorgen.
- Den Arbeitsbereich nach Beendigung der Arbeiten reinigen.
Bei Arbeiten in geschlossenen Räumen oder mit lösemittelhaltigen Epoxidharzen sollte für eine ausreichende Lüftung gesorgt werden.
8.3 Waschmöglichkeiten, Pausen- und Umkleideräume
In der Nähe des Arbeitsplatzes müssen Wasch- und Umkleidemöglichkeiten bereitgestellt werden. Den Beschäftigten ist die Anweisung zu geben, Straßenkleidung von beschmutzter Arbeits- und Schutzbekleidung und Werkzeugen getrennt zu halten.
Im Waschbereich sollten vorhanden sein
- eine Vorrichtung mit fließendem Wasser,
- Hautreinigungsmittel,
- Einweg-Papiertücher,
- Hautpflegecreme sowie
- ggf. Augenspülflaschen auf Baustellen bzw. Augenduschen bei stationären Arbeitsplätzen.
Die Schutzbekleidung ist vor Betreten der Pausenräume abzulegen, damit eine Verschleppung der Epoxidharz-Produkte vermieden wird. In Pausenräumen dürfen Epoxidharz-Produkte nicht aufbewahrt werden.
8.4 Vermeidung eines Hautkontaktes während der Applikation der Produkte
8.4.1 Transport der Mischungen zum Einbauort
Vor Ort können die Materialien im Mischgefäß am besten mit Hilfe von Transportwagen zum Einbauort transportiert werden. Diese können auch zum Ausgießen des Produktes verwendet werden.
Das Material ist so dicht wie möglich am Boden auszugießen, damit es nicht zu Spritzern kommt. Angemischtes Material muss zur Abführung der Reaktionswärme zügig ausgegossen und verteilt werden. Bei sehr großen Flächen (z. B. Parkdecks) ist eine Materialverteilung mit Maschinen möglich. Angaben der herstellenden Firma beachten!
Abb. 5 Transportwagen zum Transport und zum Ausgießen
Abb. 6 Verteilen des Harzes mit langstieligen Werkzeugen
8.4.2 Auftragen von Epoxidharzen durch Aufrollen oder Verteilen mit Gummiwischer/Zahnrakel
Das Material sollte mit langstieligen Rollen aufgerollt oder mit langstieligen Gummiwischern verteilt werden. Dies ermöglicht es, im Stehen zu arbeiten. So reduziert sich das Risiko eines Hautkontaktes.
8.4.3 Verfugungs- und Spachtelarbeiten
Beim Verfugen und Spachteln mit Epoxidharz kann es erforderlich sein, im Knien zu arbeiten.
In solchen Fällen sollte zusätzlich zu Knieschonern eine saubere weiche Unterlage (Styroporplatte, Pappe o. ä.) verwendet werden, um eine Verunreinigung der Hosenbeine zu vermeiden und die Knie zu schützen.
Beim Aufbringen von Ausgleichs- und Kratzspachtelungen können die Materialien teilweise auch stehend mit einem langstieligen Rakel oder einem Hartgummiwischer aufgebracht werden.
8.4.4 Verarbeitung von 2-Komponenten-Klebstoffen und -Reparaturmassen
Das Dosieren und Mischen der Komponenten kann umgangen werden, indem Mehrkomponenten-Kartuschensysteme (z. B. Kartuschenpistole) verwendet werden. Die Komponenten werden hierbei automatisch im richtigen Verhältnis vermischt.
Müssen Materialien von Hand gemischt werden, sind geeignete Arbeitsgeräte und Hilfsmittel (Rührstab, Pappbecher etc.) zu verwenden. Zum Auftragen der Materialien Werkzeuge und Hilfsmittel verwenden, die einen Hautkontakt verhindern (Pinsel, Spatel, Fixierhilfen).
8.4.5 Verarbeitung von Knetmassen
Bei der Verarbeitung von Knetmassen kann der Hautkontakt zu Gesundheitsschäden (Hautreizung bzw. Allergien) führen. Personen mit einer Epoxidharz-Allergie sollten keinen Kontakt mit diesem Stoff haben. Die Produkte sind brennbar.
Abb. 7 Epoxidharzknetmasse; die Verarbeitung muss mit geeigneten Schutzhandschuhen erfolgen (s. Anhang 3)
8.4.6 Injektion von Epoxidharzen
Tipps für ein sicheres Vorgehen bei der Rissverpressung:
- Anstatt die Komponenten zu mischen und sie dann in die Injektionspumpe zu geben, können 2-Komponenten-Injektionspumpen (d. h. geschlossenes, automatisches Dosieren und Vermischen) verwenden werden.
- Einfüllstutzen/Packer sorgfältig setzen.
- Entlüftungsöffnungen an der Rissverdämmung vorsehen.
- Mittels Druckluft prüfen, ob die Packer untereinander frei durchgängig sind.
- Ausreißsichere Kupplungen benutzen.
- Die Schläuche nicht einklemmen, abknicken oder überfahren.
- Druckanzeige (Manometer) beobachten, um ein unvorhergesehenes Abreißen der Packer - in Folge von Überdruck - zu verhindern.
- Anstelle großer Zweikomponentenanlagen kann eine luftbetriebene 2 Komponenten Handpumpe für Doppelkammerkartuschen eingesetzt werden.
8.5 Reinigung von Werkzeugen und Geräten
Eine Reinigung mit organischen Lösemitteln sollte vermieden werden. Tipps für die sichere Reinigung:
- Bei allen Reinigungsarbeiten Schutzhandschuhe tragen.
- Benutzte Werkzeuge so schnell wie möglich und vor Aushärtung des Epoxidharzes reinigen.
- Wenn möglich, Einweg-Arbeitsgeräte (Rollen etc.) verwenden.
- Die Arbeitsgeräte mechanisch reinigen.
- Für die Reinigung nur dann Lösemittel einsetzen, wenn kein anderes Verfahren möglich ist. Keine Reinigungsmittel, die leicht entzündbar H224 bzw. H225 sind, verwenden.
- Chemikalienschutzhandschuhe, die gegen die Kombination von Lösemittel und Epoxidharz beständig sind, sind unter www.dguv.de/epoxidharze zu finden.
3 Auf dem Markt werden einige Arbeitspackungen angeboten, bei denen die Härterverpackung durchstoßen wird und der Härter zur Mischung in das darunter befindliche Harzgebinde läuft. Das Gebinde mit der Durchstossvorrichtung kann aber nicht restentleert werden. Daher tropft die Härter-Komponente nachträglich noch aus und kann zu Kontaminationen der Haut, der Arbeitskleidung und Arbeitsumgebung führen.